Mit der Einführung des Dividendenprivilegs im Rahmen der Unternehmenssteuerreform II nahmen Dividendenbezüge an Attraktivität zu. Gewisse Kantone privilegierten Dividenden so stark, dass oftmals erhöhte Dividenden anstelle von Lohn ausbezahlt wurden. Das Bundesgericht sowie die kantonalen Gesetzgeber korrigierten diese vorteilhafte Bezugsmöglichkeit wieder. Dadurch nahmen in den vergangenen Jahren die Vorteile zugunsten der Dividende kontinuierlich ab. Mit der neuen Steuerreform (STAF) wird ein letzter Schritt in Richtung «rechtsformneutrale Besteuerung des Unternehmens sowie seines Eigners» gemacht.

Anpassung Dividendenbesteuerung durch STAF

Eine rechtsformneutrale Besteuerung der Dividende auf massgeblichen Beteiligungen liegt etwa bei 60 % bis 70 %, abhängig unter anderem von den kantonalen Gewinnsteuersätzen und der Steuerprogression der Beteiligungsinhaber. Auf Stufe Bund wird die Dividendenbesteuerung von qualifizierten Beteiligungen ab dem Jahre 2020 von bisher 60% auf 70% erhöht, während auf Stufe Kanton die Dividende mit mindestens 50% besteuert werden muss. In verschiedenen Kantonen bleibt die Dividendenbesteuerung auf der bisherigen Höhe bestehen, so unter anderem in LU, NW, OW, SZ, ZG. Andere Kantone passen im Zuge der Steuerreform die Besteuerungshöhe an, so unter anderem AG, BL, BS, SG, SO, UR, ZH (ab 2023). Massgebend für die Dividendenbesteuerung ist der jeweilige steuerliche Hauptwohnsitz der Eigner sowie das Jahr der Dividendenfälligkeit (in der Regel GV-Datum).

Dividendenbezüge sind noch im Jahr 2019 zu beschliessen, um von den bestehenden Entlastungen zu profitieren.

Steuerbelastungsdifferenz

Die Verschlechterung des Dividendenprivilegs – isoliert auf Stufe Bund – beläuft sich ab dem Jahre 2020 je nach Progressionsstufe der Begünstigten auf rund 0.5 % bis 1.15 %. Bei einer Dividende von CHF 100 000 und einer Steuerprogression von CHF 250 000 beläuft sich die Steuerbelastungsdifferenz auf Stufe Bund auf rund CHF 750. Hat der Beteiligte seinen steuerpflichtigen Wohnsitz in einem Kanton, welcher die Dividendenbesteuerung ebenfalls erhöht, kann sich die Steuerbelastungsdifferenz entsprechend vergrössern.

Es gilt jedoch zu beachten, dass die Ausschüttung oder Erhöhung einer Dividende noch im Jahre 2019 weitere steuerliche Auswirkungen haben kann. So reduziert die Dividendenausschüttung wohl die Kapitalsteuer der Gesellschaft, erhöht jedoch die Vermögenssteuer der Beteiligten. Kann auf dem steuerlichen Aktien- oder Stammanteilswert der Minderheitsabzug (bei Beteiligungen von bis und mit 50 %) geltend gemacht werden, ist zu prüfen, ob der höhere Dividendenertrag den Minderheitsabzug aufgrund der Angemessenheit der Beteiligungsrendite verunmöglicht.

Liquiditätsplanung

Auf Stufe der Gesellschaft müssen Dividenden handels- rechtlich ausschüttbar sein und in Abstimmung mit der Liquiditätsplanung erfolgen (es müssen genügend Liquidität und Reserven vorhanden sein). Alternativ können Dividenden über ein Gesellschafterkontokorrent verbucht werden, wobei hier die Verrechnungssteuerfolge immer liquiditäts- wirksam ist und die Rückforderung auf Stufe Gesellschafter unter Umständen zeitlich verschoben erfolgt.

Zwischen Lohn und Dividende darf kein offensichtliches Missverhältnis bestehen.

Schranken der AHV

Aus Sicht der AHV darf kein offensichtliches Missverhältnis zwischen Lohn und Dividende bestehen. Ist dies der Fall, drohen AHV-rechtliche Umqualifikationen von Dividenden in Lohn (mit den entsprechenden AHV-Folgen). Der Unter- nehmerlohn hat immer einem marktüblichen Drittvergleich standzuhalten. Zudem gelten Dividenden ab einem Vermögensertrag von 10 % des Steuerwertes der Beteiligungs- rechte vermutungsweise als überhöht.

Private Finanzplanung

Eine vorzeitige und hohe Dividende könnte dazu führen, dass die Nettosteuerbelastung aufgrund des progressiv ausgestalteten Einkommenssteuertarifs höher ausfällt. Um der Progressionsentwicklung entgegenzuwirken, bieten sich Einkäufe in die zweite Säule (BVG) an. Einkäufe sind vom steuerbaren Einkommen vollständig abziehbar. Die Nettosteuerersparnis bei solchen Einkäufen liegt bei rund 25 % (Faustregel), was unter Einbezug der jährlichen Verzinsung als private Vermögensanlage durchaus attraktiv ist. Weitere Verwendungsmöglichkeiten der zugeflossenen Dividende bietet die klassische Wertschriftenanlage oder die Amortisation von Hypothekarschulden.

Sollen die bezogenen liquiden Mittel privat investiert werden, so empfiehlt sich eine umfassende Planung der individuellen finanziellen Situation. Dabei stellen sich Fragen nach der richtigen Anlagestrategie, dem passenden Vermögensverwalter sowie den daraus resultierenden Chancen und Risiken.